Dreiviertelblut

“Diskothek Maria Elend”

Folklorefreie Volksmusik

Donnerstag, 13. Mai 2021
Beginn: 20 Uhr (Einlass: 19 Uhr)

VVK: 20,– € zzgl. Geb. / Abendkasse: 25,– €

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Dreiviertelblut

Kurios-krude Geschichten über das Leben, den Tod und alles, was dazwischen liegt, sind die Spezialität von Dreiviertelblut – und natürlich, sie musikalisch und poetisch zu beflügeln. Auf ihrem dritten Album “Diskothek Maria Elend” klingt all das in manchen Songs sogar umwerfend tanzbar. Das einstige Duo aus Komponist Gerd Baumann und Texter Sebastian Horn (Gründer, Bassist und Sänger der Bananafishbones) ist zu einer siebenköpfigen Band angewachsen, und der unverkennbare Dreiviertelblut-Sound ist voller, komplexer, vielschichtiger und mitreißender geworden. Die Musiker zeigen das philosophische Spiegelbild ihrer Stimmung und laden dazu ein in die Diskothek Maria Elend. Der Titel ist ein tragikomisches Brennglas: er klingt nostalgisch, ein bisschen unzeitgemäß, und meint doch den Geist unserer Zeit, das, was sie ausmacht und das, was ihr fehlt.

“Diskothek Maria Elend” bedeutet: die Liebe zu echter, handgemachter Musik inmitten des Strudels, und der bezaubernde Widerspruch, ausgerechnet im lebensfrohen Feiern Spiritualität, Demut, Empathie und Hoffnung empfinden zu können.

Das Album Diskothek Maria Elend

Im turbulenten Tanzstück “Rundummadum” verliert sich der strebende Mensch im unbezwingbaren Strudel des Alltagsstresses. „Die Erde is flach und de Sunn is mei Mond / und gestern kimmt moing in da Friah“, lautet eine Zeile aus “Die Wahrheit”, einem Song, den Gerd Baumann 2017 geschrieben hat – Fake News oder nur eine andere Perspektive? “Wos übrig bleibt” ist ein selbstzerstörerischer, philosophischer Befreiungsschlag aus den Ketten der Gesellschaft, ein Aufbäumen im Schmerz und die empathische Erinnerung daran, dass wir ohne Haut alle ziemlich gleich aussehen.

In der Diskothek Maria Elend ist auch Raum für eine Kernkompetenz von Dreiviertelblut: die tabulose, lustvolle und frech-grinsende Begegnung mit dem Tod und allem Düster-Morbiden: bei der exzessiven Party der tanzenden Untoten am „Campo Santo“ geht es bemerkenswert lebensfroh zu, “Unter Deim Bett” gibt es schaurige Halbwesen, und längst verdrängte nächtliche Kinder-Ängste werden wieder gespenstisch fühlbar. Und im Eiscafé “Lupa di Roma” verwandelt sich eine elegante Dame in einen blutrünstigen Werwolf und eine gefällige Schlagerschnulze in ein bizarres Klangexperiment. Optimismus gibt es im Rauschzustand: die wonnige Liebeserklärung “Schwupp Marie” zaubert ein breites Grinsen ins Gesicht.
In diesem Tanz zwischen den Welten, zwischen dem Chaos der Gegenwart und dem Bewusstsein für das Jenseitige, geht es jederzeit um Grundwerte und -überzeugungen, um Menschlichkeit – um Essentielles. “Auf und davo”, eine Elegie vom Werden und Vergehen, bekennt im stillsten Moment am Lagerfeuer ehrfürchtig, dass die menschliche Fähigkeit zu begreifen begrenzt ist. Sebastian Horn dankt in “Odlgruamschwimmer” einer Frau, die ihn als Kind vor dem sicheren Tod bewahrt hat, indem sie ihn – sie war sechs, er war drei – aus der Odelgrube gezogen hat.
Mit “Maria Elend” wird die wahre und erlösende Liebe angerufen, als letzte Hoffnung auf Rettung. Die ist in einer der wohl bewegendsten Geschichten der deutschen Geschichte bereits aufgegeben: Georg Elser hat versucht Millionen Menschen zu retten. “13 Minuten” formuliert die letzten, traurig-düsteren Gedanken des Hitler-Attentäters in der Todeszelle: “Ich habe den Krieg verhindern wollen”.
Elf Geschichten, elf Stücke voller Ehrlichkeit vereint auf einem Album, das neue Schönheit sucht und sie im phantastischen Realismus findet.

Die Besetzung:

  • Florian Riedl – Klarinette, Bass-Klarinette, Moog-Synthesizer
  • Dominik Glöbl -Trompete, Flügelhorn, Gesang
  • Luke Cyrus Götze – E-Gitarren/Lap-Steel
  • Benjamin Schäfer -Kontrabass, Tuba, Gesang
  • Flurin Mück – Schlagzeug
  • Gerd Baumann – Gitarren, Gesang
  • Sebastian Horn – Gesang

www.dreiviertelblut.de

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